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22Marburg: Alter Botanischer Garten

Alter Botanischer Garten

(Fotos: Linn; Fuchs)

 

 

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35037 Marburg (Lahn),
Pilgrimstein

Beschreibung


Lageplan einiger Bäume im Alten Garten (zum Vergrößern anklicken)

Der alte Hausgarten des Deutschen Ordens wurde ab 1811 als dritter Botanischer Garten der Philipps-Universität gestaltet. Er gilt als eines der ältesten wissenschaftlichen Gartendenkmäler Europas, ausgezeichnet durch historische Bäume aus aller Welt und die Nähe zur Elisabethkirche. Neben den alten Botanischen Gärten in Gießen und Darmstadt ist er auch die einzige Anlage aus der Frühzeit der Botanischen Wissenschaften in Hessen.

 

Der Alte Botanische Garten Marburgs

"Ein Botanischer Garten - gleichsam ein Weltgarten - soll die gesamten Pflanzen der Erde, soweit das irgend menschenmöglich ist, in sich aufnehmen und in naturgemäßer Anordnung enthalten; daher hat man ihn auch wohl das Paradies genannt."

Diesen Leitsatz prägte der Gründer des Gartens, der Marburger Prof. der Botanik und Medizin Georg Wilhelm Franz Wenderoth (1774-1861). Auch heute, nach fast 200 Jahren, kann sich der Besucher an den imposanten Bäumen, blühenden Sträuchern und duftenden Blumen erfreuen und saubere Luft sowie himmlische Ruhe, vielleicht auf einer der Bänke am Teich, genießen oder auch sich im Kräutergarten und beim Kennenlernen der zahlreichen Gehölze weiterbilden. Dafür sorgen u.a. in guter Zusammenarbeit der Leiter des Gartens der Universität, die Stadt Marburg mit Stellung des Blumenschmucks, sowie der im Jahr 1993 gegründete eingetragene Verein "Freundeskreis Alter Botanischer Garten".

Die Geschichte des Alten Botanischen Gartens ist eng verknüpft mit derjenigen der Medizin und der selbständig gewordenen Disziplinen Botanik und Pharmazie an der Philipps-Universität. Ein erster Heilpflanzengarten des Medizinprofessors Euricius Cordus wird bereits zum Beginn des 16. Jahrhunderts erwähnt.

1786 wird der erste aktenmäßig nachweisbare Garten vom Pharmazeuten Professor Conrad Moench (1744-1805) am Weinberg (obh. Ketzerbach)auf dem heutigen Gelände des Instituts für Pharmazeutische Technologie angelegt. Er umfaßt schon damals etwa 2800 systematisch geordnete Pflanzen, zumeist Heilkräuter.

1810 ergibt sich die Gelegenheit, den Garten durch eine Schenkung der Westfälischen Krone in den 4 ha großen ehemaligen Lustgarten des von Napoleon Bonaparte aufgelösten Deutschherrenordens am Pilgrimstein (den heutigen Standort) zu verlegen. Bald darauf entwirft der von der ehem. Universität Rinteln nach Marburg berufene Prof. Wenderoth einen Gartenplan, in dem die Darstellung wissenschaftlicher Inhalte Vorrang hat.

1862-1867 erfolgt eine Neugestaltung des Gartens nach dem Linnéschen System der binären Nomenklatur unter dem ersten Nichtmediziner J. W. Albert Wigand (1821-1886), Prof. für Botanik und Pharmakognosie. Es entstehen drei Partien, von denen zwei im wesentlichen bis 1977 erhalten bleiben. Der systematische Teil, geordnet nach botanischen Familien, von Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) bis zu den Orchideen (Orchidaceae), und nach Wigands "Flora von Kurhessen" (1859), wird um den Teich herum angelegt. Weiter östlich wird eine morphologisch-physiologische Abteilung und am Pilgrimstein ein erstes Alpinum eingerichtet.

Heute dominiert die Gruppe der "Moorbeetpflanzen" mit dem prachtvollen "Rhododendrongebirge" das Teichufer.

Wigands Nachfolger, der Morphologe Karl Goebel (1855-1932) verlagert das Alpinum in die Nähe der Gewächshäuser, errichtet eine Medizinalpflanzensammlung an der Ostseite und die sternförmige Anlage für Wasserpflanzen, die heute nicht mehr existiert.

Ab 1898 vergrößert Arthur Meyer (1850-1922) vor allem die Baumsammlung, so dass um die Wende zum 20.Jahrhundert Wilhelm Kolbe in seinem Reiseführer den Alten Garten als eine Hauptzierde der Universität und Marburgs beschrieb. Meyers Nachfolger, Peter Claussen (1877-1959) sichert über die Kriegszeit weitgehend den wertvollen Baumbestand.

Ein neuer Botanischer Garten der Philipps-Universität entsteht in den Jahren 1961 bis 1977 auf den Lahnbergen. Nach wie vor ist jedoch das Institut für Pharmazeutische Biologie mit seinen Versuchsflächen, seiner Heilkräutersammlung sowie arzneistoffhaltigen Bäumen im Alten Garten beheimatet.

Der Alte Garten, der im Herzen der Stadt als "Grüne Lunge" fungiert, ist aufgrund seiner historischen Dimension vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege als Kulturdenkmal ausgewiesen worden. Der "Freundeskreis Alter Botanischer Garten e.V." setzt sich für eine Aufrechterhaltung des Bürgerbewusstseins ein, dieses erhaltenswerte Kleinod vor Gefahren zu schützen, wie sie z.B. im Rahmen der derzeitigen Campusplanungen der Universität hinsichtlich des Grundwasserspiegels drohen. Unter anderem bemüht er sich um Vermeidung unnötiger Baumfällungen und ggf. um Nachpflanzungen.

2000 ist ein umfangreiches und vom Landesamt für Denkmalpflege anerkanntes Parkpflegewerk erschienen, das nicht nur den Seltenheitswert dieser Gartenanlage herausstellt, sondern auch den aktuellen Gehölzzustand und die erforderlichen Pflegemaßnahmen ermittelt. Das umfangreiche Werk kann auf Anfrage beim Freundeskreis eingesehen werden. In der Reihe "Die Blauen Bücher" des Langewiesche Verlages ist von M.A. Horst Becker "Der Alte Botanische Garten Marburgs" (1997) herausgebracht worden. Es kann beim Freundeskreis erworben werden. Auch ein großes Schaubuch mit Fotos, Zeichnungen und Berichten zur Entwicklung des Alten Gartens, gepflegt seit Bestehen des Freundeskreises, liegt zur Ansicht bereit. Der Einsatz für Erhalt und Pflege des Gartens bedarf vor allem finanzieller Hilfe. Einen wertvollen Beitrag hierfür kann man durch Eintritt in den Verein, durch Spenden oder durch den Erwerb von Baumpatenschaften leisten.

Die Internetseiten des Freundeskreises zum Alten Garten finden sich unter
www.alterbotgarten-marburg.de.  

Viele Fotos (von A. Wellinghoff) aus dem Garten können unter
www.marburg-impressionen.de bewundert werden.

 

 

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Letzte Aktualisierung: 11.10.2015
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